Ist Nachfolge das neue Start-up? Interview mit Benedikt Stentrup
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Shownotes
Du denkst über Selbstständigkeit nach, weil Freiheit für dich einen großen Wert hat. Aber macht es wirklich Sinn, sich durch die Mühle eines Startups zu quälen? Oder gibt es einen besseren Weg?
In der aktuellen Episode meines Podcasts habe ich Benedikt Stentrup zu Gast.
Benedikt ist selbst Nachfolger eines mittelständischen Handwerksbetriebs mit heute 90 Mitarbeitern, betreibt den Podcast „Nachfolgeschmiede“ und begleitet als Mentor andere Unternehmer und Nachfolger auf diesem Weg.
Ein Statement hat mich sofort neugierig gemacht: „Nachfolge ist das neue Startup.“
Warum ein Startup nicht der einzige Weg in die Selbstständigkeit ist
Benedikt war 2009 selbst an der Gründung eines Startups beteiligt: ein produzierender Betrieb mit chemischen Prozessen. Er weiß also genau, wovon er spricht, wenn er über die Startphase eines Unternehmens redet:
- Erstmal musste ein Businessplan her, der Investoren überzeugt: Gibt es überhaupt ein Geschäftsmodell? Einen Markt? Eine Patentlage?
- Dann kamen Betriebsgenehmigungen und Emissionsschutzauflagen dazu.
- Am Ende durfte man zwar produzieren, hatte aber noch keine Produktzulassung.
Sein Fazit nach den ersten zwei intensiven Jahren mit vielen schlaflosen Nächten: Motivation war da, aber der Weg war hart. Mit zeitlichem Abstand, nachdem er sich zugunsten der Nachfolge im Betrieb seines Vaters aus dem Startup verabschiedet hatte, zieht er einen klaren Vergleich: Die Nachfolge ist der cleverere Weg.
Was die Nachfolge einem Startup voraushat
Bei einer Nachfolge übernimmst du:
- ein funktionierendes Unternehmen mit etabliertem Geschäftsmodell,
- eine Historie bei den Banken,
- eingespielte Mitarbeiter, die wissen, was sie tun,
- vorhandene Produktzulassungen und Genehmigungen.
Viele der Sorgen, die einen Startup-Gründer nachts wachhalten, hast du als Nachfolger schlicht nicht. Trotzdem kannst du unternehmerisch etwas aufbauen, gestalten und weiterentwickeln.
Für Menschen, die unternehmerisch tätig werden wollen, kann Nachfolge deshalb ein sehr kluger Weg sein. Das Grundgerüst steht bereits, sodass man sich ganz auf Wachstum statt auf Überlebenskampf konzentrieren kann.
Warum das Thema gerade jetzt so relevant ist
Laut KfW-Nachfolgemonitor sind 40 Prozent der Unternehmensinhaber in Deutschland über 55 Jahre alt. Gleichzeitig verändert sich die Erwartungshaltung der nächsten Generation: Immer mehr Unternehmerkinder sagen offen, dass sie den elterlichen Betrieb nicht automatisch übernehmen wollen. Das ist heute auch gesellschaftlich völlig legitim.
Dazu kommt ein dritter Faktor: die aktuelle Wirtschaftslage. Wenn Konzerne sparen müssen, verlieren auch gut ausgebildete Manager mit unternehmerischem Talent ihre Position.
Genau hier sieht Benedikt eine große Chance: Unternehmer ohne familiäre Nachfolgelösung treffen auf Menschen mit unternehmerischem Antrieb, die einen Neustart suchen. Zwei Probleme, eine Lösung.
Das oft gehörte Narrativ, der jungen Generation fehle es an Unternehmergeist, stimmt aus seiner Erfahrung nicht. Die Menschen, mit denen er im Nachfolgekontext zu tun hat, sind gut ausgebildet, motiviert und wissen, was sie wollen.
Die junge Generation will nicht zwingend die 70-Stunden-Woche und den Sonntag am Schreibtisch.
Aber genau das lässt sich gestalten. Benedikt selbst hat sich für die Nachfolge entschieden, weil sie ihm erlaubte, Familie und Karriere besser zu verbinden, als es im Startup möglich gewesen wäre.
Entrepreneurship through Acquisition
Ein Trend, den Benedikt besonders spannend findet: Entrepreneurship through Acquisition. Dabei wird man Unternehmer, indem man sich in eine bestehende Nachfolge einkauft. Dafür gibt es mittlerweile:
- öffentliche und privatwirtschaftliche Unternehmensbörsen, auf denen man gezielt nach Betrieben in bestimmten Branchen und Größenordnungen suchen kann,
- klassische Gründerbanken, die genauso Nachfolgesituationen finanzieren wie Startups,
- spezialisierte Investoren, die gezielt Menschen unterstützen, die sich über eine Nachfolge selbstständig machen wollen.
Der Charme dieses Modells: Es löst mehrere Probleme gleichzeitig.
Der Seniorunternehmer findet jemanden, der sein Lebenswerk weiterführt. Mitarbeiter behalten ihre Jobs, Kunden ihren Lieferanten. Die neue Person kann sich unternehmerisch verwirklichen. Und für Investoren ist ein bestehender, funktionierender Betrieb deutlich risikoärmer als ein Startup mit hoher statistischer Scheiterquote.
Unternehmertum über die Nachfolge war für ihn der perfekte Weg, sich selbst zu verwirklichen, etwas aufzubauen und Freiheit zu erleben, ohne dabei auszubrennen. Die Gefahr des Burnouts schätzt er dabei sogar niedriger ein als in einem Angestelltenjob mit Führungsverantwortung.
Das Buch: „Nachfolge ist das neue Startup“
Aus genau diesen Erfahrungen ist jetzt ein Buch entstanden, das im November 2026 erscheint: „Nachfolge ist das neue Startup: mit Unternehmensnachfolge direkt ins Unternehmertum.“
Benedikt kombiniert darin seine eigene Erfahrung als mehrfacher Nachfolger mit wirtschaftspsychologischer Methodenkompetenz und wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zu Veränderungsprozessen. Es geht unter anderem um:
- wie der Seniorunternehmer loslassen lernt, auch emotional, wenn der eigene Selbstwert lange am Unternehmertum hing,
- wie Nachfolger Verantwortung übernehmen, wenn plötzlich Mitarbeiter mit ihren Problemen vor dem eigenen Schreibtisch stehen,
- wie man ein gemeinsames Verständnis für das Unternehmen entwickelt: Was bewährt sich, wo braucht es Veränderung?
- wie man daraus eine klare Roadmap mit konkretem Stichtag für die Übergabe entwickelt.
Das Buch richtet sich an alle Arten von Nachfolgern: familieninterne Nachfolger, Mitarbeiter, die den Betrieb ihres Chefs übernehmen möchten, und externe Einsteiger über Entrepreneurship through Acquisition. Ergänzt wird es durch praktische Übungen und weiterführende Literaturhinweise.
Nachfolger-Checkliste: Der erste Schritt zur Selbsteinschätzung
Wer schon jetzt einen ersten Überblick möchte, kann sich Benedikts kostenlose Nachfolger-Checkliste herunterladen. Sie funktioniert nach einem einfachen Ampelsystem mit den Farben Rot, Gelb und Grün. So zeigt sie schnell, wo man mit der eigenen Nachfolgesituation steht und an welchen Punkten möglicherweise externe Unterstützung sinnvoll ist.
Ihr findet sie kostenlos auf nachfolgeschmiede.de, oben rechts auf „Checkliste herunterladen“.
Nachfolgeschmiede Inner Circle: Austausch auf Augenhöhe
Aus dem direkten Feedback seiner Community ist außerdem der Nachfolgeschmiede Inner Circle entstanden: eine Mastermind-Gruppe für Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Der Gedanke: Wer frisch im Chefsessel sitzt, erlebt viele Herausforderungen zum ersten Mal. Dazu zählen das erste kritische Mitarbeitergespräch, die erste Kündigung oder der erste wegbrechende Großauftrag. Der Senior kennt oft ein anderes Weltbild, und im privaten Umfeld verstehen viele Angestellte diese Fragen schlicht nicht.
Im Inner Circle gibt es:
- einen geschützten Raum für offenen Austausch auf Augenhöhe,
- ein umfangreiches Onboarding-Programm mit Feedback zum eigenen unternehmerischen Talent,
- praktisches Handwerkszeug, zum Beispiel, wie man den eigenen Kalender verteidigt und tatsächlich am statt nur im Unternehmen arbeitet.
Die Gruppe wird wieder für eine kleine, handverlesene Anzahl an Teilnehmern geöffnet. Wer mitmachen möchte, meldet sich am besten über den Newsletter „Nachfolgeschmiede Impulse“ an, um rechtzeitig informiert zu werden.
Webinar im November: Harmonische Weihnachten trotz offener Nachfolgefrage
Ein Thema, das mich persönlich sehr anspricht, weil ich es aus meinem eigenen Umfeld kenne: Weihnachten ist für viele Unternehmerfamilien der Moment, in dem die Nachfolgefrage unweigerlich auf den Tisch kommt, oft emotional aufgeladen. Ein befreundeter Scheidungsanwalt berichtet Benedikt, dass im Januar bei ihm die Telefone glühen, weil über die Feiertage Beziehungsprobleme sichtbar werden. Genau das möchte Benedikt für Familienunternehmen verhindern.
Deshalb bietet er im November ein Webinar an: „Was du heute schon für ein harmonisches Weihnachten tun kannst“, aus der Unternehmerperspektive. Ziel ist es, das Thema Nachfolge rechtzeitig und weniger emotionsbeladen anzusprechen, bevor der Weihnachtsbaum steht.
Wenn du selbst über Selbstständigkeit nachdenkst, aber die klassische Startup-Weg dich eher abschreckt als begeistert, dann schau dir das Modell Nachfolge an.
Du startest nicht bei null, sondern auf einem bestehenden Fundament. Und du kannst dich ganz auf das konzentrieren, was Unternehmertum eigentlich ausmacht: etwas weiterentwickeln, gestalten und Verantwortung übernehmen.
Mehr zu Benedikt findest du unter nachfolgeschmiede.de, im Nachfolgeschmiede-Podcast und auf LinkedIn.




