KI-Sichtbarkeit: So wirst du von ChatGPT empfohlen – Interview mit Benjamin O’Daniel und Fabian Jaeckert
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Millionen Menschen fragen täglich ChatGPT nach individuellen Empfehlungen. Sie wollen einen Business-Podcast, eine Konferenz für Freiberufler oder einen Dienstleister für ihr Problem. Sie fragen dafür nicht mehr Google, sondern die KI.
Das verändert gerade radikal, wie wir als Freiberufler und Solopreneure sichtbar werden. Um genau darüber zu sprechen, hatte ich Benjamin O’Daniel und Fabian Jeckert im Podcast zu Gast. Die beiden kommen aus der SEO-Welt und beraten seit über zehn Jahren Unternehmen, vom Freiberufler bis zum Konzern. Vor rund drei Jahren haben sie ihre komplette Beratung auf ein neues Thema umgestellt: GEO, Generative Engine Optimization.
In diesem Beitrag fasse ich zusammen, was ich aus dem Gespräch mitgenommen habe. Und was das für dein Geschäft bedeutet.
Was ist GEO überhaupt?
ChatGPT hat eine Milliarde Nutzer. Googles AI-Mode ebenfalls. Die AI-Overviews in der klassischen Google-Suche erreichen zweieinhalb Milliarden Menschen. Diese KI-Systeme beantworten Fragen nicht mit zehn blauen Links, sondern mit einer konkreten Antwort. Und die enthält oft eine Empfehlung: ein Produkt, ein Unternehmen, eine Marke, eine Person.
GEO beschäftigt sich mit genau einer Frage: Wie wirst du in dieser KI-Antwort empfohlen, und kannst du das beeinflussen?
Wichtig zu verstehen: KI-Systeme sind keine Suchmaschinen. Sie funktionieren anders, deshalb greift klassisches SEO-Denken zu kurz. Trotzdem hilft SEO-Verständnis, weil Google im Hintergrund für viele KI-Systeme weiterhin eine Datenquelle ist. Nur ist es eben nicht mehr die Bühne, auf der sich alles abspielt.
Warum der Wechsel von SEO zu GEO kein Hype ist
Benjamin erinnert sich an den Moment, als ChatGPT 3 herauskam: „Das ist besser als Google.“ Dieser Satz ließ ihn seitdem nicht mehr los. Google war 25 Jahre lang unangreifbar. Zum ersten Mal gab es einen ernsthaften Herausforderer.
Der eigentliche Auslöser für den Strategiewechsel bei Benjamin und Fabian waren aber nicht ihre eigenen Beobachtungen, sondern ihre Kunden. In fast jeder Beratung kam irgendwann die Frage: „Was ist eigentlich mit dieser KI?“ Und in den Google-Search-Console-Daten sahen sie es schwarz auf weiß: Der klassische Content-Traffic brach bei etlichen Kunden innerhalb von ein bis zwei Jahren um 50 bis 60 Prozent ein.
Die zentrale Erkenntnis daraus: Klicks sind nicht mehr die richtige Kennzahl.
Warum Klicks die falsche Metrik sind
KI-Systeme generieren wenig Traffic. Das ist aber kein Zeichen von Bedeutungslosigkeit, sondern ein neues Verhaltensmuster. Wenn ChatGPT einem Nutzer sagt, „der beste Business-Podcast ist von Maik Pfingsten“, geht dieser Nutzer direkt in die Podcast-App. Warum sollte er noch auf eine Website klicken?
Der Fehler, den viele gerade machen: Sie versuchen, den alten Klick-KPI einfach auf den neuen Kanal zu übertragen. Und kommen dann zu dem falschen Schluss, KI bringe nichts. Die neue relevante Kennzahl heißt Brand Mention: Wird meine Marke im richtigen Kontext, bei der richtigen Anfrage, erwähnt und empfohlen?
Das bedeutet auch: Die klassische Customer Journey mit Last-Click-Attribution auf Google greift zu kurz. Bei größeren Kaufentscheidungen, Stichwort Autokauf, zählt man 600 bis 700 Touchpoints, bevor eine Entscheidung fällt. Die KI-Empfehlung ist oft einer der ersten, unsichtbaren Touchpoints in dieser Kette. Sie hat aber massiven Einfluss darauf, ob am Ende jemand „Maik Pfingsten“ direkt bei Google eingibt.
Wie du konkret vorgehst
Der Beratungsprozess bei GEO unterscheidet sich strukturell kaum von klassischem SEO. Nur die fachlichen Inhalte sind neu:
1. Bestandsaufnahme und Analyse
Statt Keywords analysierst du jetzt Prompts: Wonach fragen deine potenziellen Kunden die KI-Systeme? Welche Prompt-Varianten und Muster gibt es in deinem Themenfeld? Wo wirst du bereits empfohlen, wo noch nicht?
2. Lücken identifizieren
Aus der Analyse ergeben sich thematische Lücken. Ein Beispiel aus einer Praxis-Session: Innerhalb von zehn Minuten stellte sich heraus, dass Kunden nach „Training“ und „Schulung“ suchten. Die entsprechenden Landingpages fehlten aber komplett. Ohne diesen Content ist man weder bei Google noch bei den KI-Systemen sichtbar.
3. Content gezielt aufbauen
Die gute Nachricht für alle, die bereits SEO betreiben: In rund 99 Prozent der Fälle passen die To-Dos für GEO und SEO fast eins zu eins zusammen. Relevanter, spezifischer Content zu deinem Angebot hilft in beiden Systemen.
4. Vertrauenssignale prüfen
Frag KI-Systeme aktiv: „Wer ist [dein Name]?“ oder „Ist [dein Unternehmen] vertrauenswürdig?“ Die Antworten stützen sich auf Quellen wie Podcast-Erwähnungen, Trustpilot- oder Kununu-Bewertungen, LinkedIn-Postings oder Artikel. Wer schon Content, Interviews und Erwähnungen im Netz aufgebaut hat, hat hier einen klaren Vorteil. Er muss aber trotzdem aktiv daran arbeiten.
Ein Vorteil, den du dir bereits erarbeitet hast, zählt weiter
Wer über Jahre Content produziert hat, sei es Podcast, Buch, Interviews oder Speaking, taucht in den Trainingsdaten und in den Quellen auf, die KI-Systeme heranziehen. Das bestätigt sich auch bei mir: Ich wurde selbst schon über ChatGPT gefunden, unter anderem von einem Podcast-Host, der explizit nach den „Top 3 hörenswerten Unternehmer-Podcasts“ gefragt hatte.
Aber: Auch etablierte Unternehmen mit 50 oder 100 Jahren Marktpräsenz haben hier oft massives, ungenutztes Potenzial. Wer bei null anfängt, hat also nicht automatisch schlechte Karten. Er muss nur gezielt anfangen.
Warum aus dem eigenen Tool kein SaaS-Produkt wurde
Ein Learning aus dem Gespräch, das ich unternehmerisch besonders spannend finde: Fabian hat mit „Joe“ (kurz für „Jackard O’Daniel Engine“) ein eigenes Analyse-Tool entwickelt, weil am Markt kein Tool die Funktionen bot, die sie in ihrer Beratung brauchten. Der naheliegende nächste Schritt wäre gewesen, daraus ein eigenständiges SaaS-Produkt zu machen.
Sie haben sich bewusst dagegen entschieden. Der Grund: Der Markt für KI-Monitoring-Tools ist durch Vibe-Coding explodiert. Es gibt mittlerweile hunderte Anbieter, und jedes Feature, das du heute baust, hat die Konkurrenz oft einen Tag später auch. Ein Burggraben als reiner Software-Anbieter ist in diesem Umfeld kaum zu halten.
Stattdessen haben sie das Tool in ihre bestehende Academy integriert, kombiniert mit Weiterbildung, Workshops und einer engen Community, die die Software aktiv mitgestaltet. Das Ergebnis: ein Angebot, das es am Markt so nicht gibt, weil es Tool und Enablement verbindet, statt nur Rohdaten zu liefern.
Die Lektion für dich als Freiberufler oder Solopreneur: Nicht jede gute Idee muss zum eigenständigen Produkt werden. Manchmal ist die stärkste Positionierung die, bei der du bei deiner Kernkompetenz bleibst und neue Werkzeuge dort integrierst, wo du bereits Vertrauen und Tiefe aufgebaut hast.
Was das für dich bedeutet
Die gute Nachricht: Dein Marktverständnis bleibt relevant. Deine Zielgruppe, ihr Problem, deine Lösung, das alles hat sich nicht verändert. Verändert hat sich der Layer dazwischen, über den Angebot und Nachfrage zusammenfinden.
Am Ende geht es um dasselbe Ziel wie immer: dass sich jemand bei dir meldet und sagt, „ich habe dich von der KI empfohlen bekommen.“ Das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Das passiert heute schon, in Erstgesprächen, bei Benjamin und Fabian genauso wie bei mir.
Mehr zum Thema GEO, inklusive praktischer Tools und Workshops, findet ihr in der Academy von Benjamin O’Daniel und Fabian Jaeckert. Und wenn ihr tiefer einsteigen wollt: Ihr Buch zum Thema Generative Engine Optimization ist dieses Jahr erschienen und eine klare Empfehlung von mir.


