KI im Ingenieurbüro: Eine Dienstleistung mit Agenten skalieren – geht das?
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Worum geht es?
Kann man eine freiberufliche Dienstleistung mit KI skalieren? Maik Pfingsten und Björn Schorre haben genau das getestet: Den "Lastenheft in zwei Wochen"-Service, den Björn 2022 von Maik übernommen hat.
Das Experiment startete mit einem konkreten Projekt – einer Wallbox. Statt den gesamten Workflow in eine KI zu packen, entwickelten sie spezialisierte Agenten für einzelne Prozessschritte. Die Erkenntnis: Nicht alles lässt sich automatisieren. Erfolgreiche KI-Integration bedeutet, gezielt einzelne Arbeitsschritte zu identifizieren und dafür spezialisierte Agenten mit klaren Master-Prompts zu entwickeln.
Das Ergebnis: Eine steile Lernkurve mit überraschendem Erfolg bei der Skalierung einer klassischen Ingenieurdienstleistung.
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Im Gespräch
Maik Pfingsten
Björn Schorre
Freiberufliche Dienstleistung mit KI skalieren: Unser Experiment
Kann man einen komplexen Engineering-Service mit KI automatisieren? Und wenn ja, wie weit kommt man wirklich? Gemeinsam mit Björn Schorre, dem heutigen Inhaber meines ehemaligen Ingenieurbüros, habe ich genau das getestet. Das Ergebnis: eine steile Lernkurve und überraschende Erkenntnisse.
Der Ausgangspunkt: Ein bewährter Prozess
2015 habe ich aus meiner Ingenieurleistung ein Produkt gemacht: „Lastenheft in zwei Wochen“. Ein strukturierter Prozess mit klaren Schritten – Erfassen, Sortieren, Füllen, Prüfen, Freigeben. Alles dokumentiert, mit Templates und Checklisten für meine damaligen Sterneköche.
2022 habe ich das Ingenieurbüro samt diesem Service an Björn verkauft. Seit über einem Jahr begleite ich ihn als Mentor. Und dabei kam immer wieder die Frage auf: Was geht mit KI?
Die Idee: Ein konkretes Experiment statt theoretischer Spielerei
Statt abstrakt zu philosophieren, haben wir uns ein echtes Projekt vorgenommen: Eine Wallbox. Björn hatte bereits Material von einer Konferenz zum Thema Systems Engineering – perfekt als Ausgangsbasis.
Die Frage war klar: Können wir diesen Service mit KI skalieren?
Erste Erkenntnis: Nicht alles auf einmal
Der Fehler, den viele machen: Man wirft den kompletten Workflow in eine KI und hofft auf Wunder. Das funktioniert nicht.
Unsere Lösung: Spezialisierte Agenten für einzelne Aufgaben.
Jeder Agent bekommt einen präzisen Master Prompt für genau eine Aufgabe. Dort performt er exzellent – aber eben nur dort. Früher nannte man das GPTs, heute sprechen wir von Agenten. Das Prinzip bleibt gleich.
Agent 1: Vom Workshop-Foto zur Dokumentstruktur
Der erste Schritt im klassischen Prozess war der System Footprint Workshop. Dabei visualisieren wir mit Post-its auf einem großen Plakat die Anforderungen – strukturiert nach Themenfeldern.
Früher habe ich das Ergebnis abfotografiert und händisch in mein Lastenheft-Template übertragen. Jeder Post-it wurde zu einem Unterkapitel.
Der erste Agent hat genau das übernommen: Foto rein, Struktur raus. Er erkennt die Post-its, ordnet sie den Feldern zu und erstellt die Kapitelebene samt Unterkapiteln. Version 0.1 des Lastenhefts – in Minuten statt Stunden.
Agent 2: Dieter Dokumentenfresser
Jetzt wird es spannend. Im nächsten Schritt mussten früher alle Kundendokumente durchgelesen werden – PDFs, Office-Dateien, Listen, Normen. Alles Mögliche. Ich habe relevante Inhalte identifiziert und in die passenden Kapitel sortiert.
Unser erster Versuch: Alle 20 Dokumente in einen Agenten kippen und hoffen, dass er alles sortiert. Ergebnis: Kapazitätsgrenze erreicht. Das hat nicht funktioniert.
Die Lösung: Sequenzielle Verarbeitung
Wir haben einen spezialisierten Agenten gebaut: Dieter Dokumentenfresser.
Seine Aufgabe:
- Ein Dokument nach dem anderen durcharbeiten
- Relevante Inhalte identifizieren
- Kontext aus dem Workshop-Ergebnis nutzen
- Nicht halluzinieren – wenn Infos fehlen, das klar sagen
Der Master Prompt war knallhart: „Du bist Experte für Requirements Engineering. Wenn du Informationen nicht findest, such sie dir nicht irgendwo zusammen. Sag uns, dass sie fehlen.“
Der Aha-Moment
Dieter hat ein MAN-Dokument bekommen – eine Norm für Verbrennermotoren. Seine Antwort:
„Das Dokument behandelt fossil betriebene Systeme. Kein Ladevorgang vorgesehen. Seid ihr sicher, dass das zur Wallbox gehört?“
Genau das ist mir früher auch passiert: Kunden werfen dir alles auf die Palette, nach dem Motto „viel hilft viel“. Dieter hat uns hier echte Zeit gespart – und Qualität geliefert.
Der manuelle Zwischenschritt: Sortieren
Was Dieter ausgespuckt hat, waren Prosa-Texte – teilweise direkt aus Dokumenten kopiert, teilweise umformuliert, wenn er Tabellen erkannt hat.
Diese Texte haben wir manuell in die entsprechenden Kapitel sortiert. Dieser Schritt war bewusst nicht automatisiert – hier braucht es noch menschliches Urteilsvermögen.
Das Ergebnis: Ein Lastenheft voller Inhalte. Aber eben als Fließtext, nicht als strukturierte Anforderungen.
Was wir gelernt haben
- KI ersetzt nicht den kompletten Prozess – aber sie beschleunigt einzelne Schritte massiv.
- Spezialisierung schlägt Generalisierung – ein Agent, eine Aufgabe, ein exzellenter Prompt.
- Kontext ist King – Dieter hatte die Workshop-Ergebnisse als Basis. Ohne diesen Kontext wäre die Qualität deutlich schlechter gewesen.
- Klare Grenzen setzen – „Nicht halluzinieren“ war eine der wichtigsten Anweisungen. Sonst bekommst du schöne, aber falsche Ergebnisse.
- Manuelle Schritte bleiben – und das ist okay. Es geht nicht darum, alles zu automatisieren, sondern die richtigen Dinge zu automatisieren.
Fazit: Skalierung ist möglich – aber anders als gedacht
Können wir eine freiberufliche Dienstleistung mit KI skalieren? Ja. Aber nicht durch einen Mega-Agenten, der alles macht. Sondern durch intelligente Arbeitsteilung zwischen spezialisierten Agenten und menschlicher Expertise.
Die Zeitersparnis ist real. Die Qualität stimmt. Und das Beste: Der Prozess bleibt kontrollierbar.
Wenn du selbst überlegst, wie du KI in deinem Business einsetzen kannst, dann denk nicht in großen Würfen. Denk in kleinen, präzisen Schritten. Welcher einzelne Arbeitsschritt kostet dich am meisten Zeit? Genau da setzt du an.
Seit 2014 teile ich mein Wissen und meine Erfahrung, damit Freiberufler und Solopreneure erfolgreich sind und stolz auf das, was sie erschaffen. Wenn du mehr über den Einsatz von KI in deinem Business erfahren möchtest, hör dir die vollständige Episode in meinem Podcast an.


